Welcome Guest: Anmelden | Registrieren Aktuelle Zeit: 21.10.2018, 01:19

Foren-Übersicht Roller, Mopeds und Motorräder der Deutschen Bundespost Historisches Das Moped in der Landzustellung

Alte Berichte, Bilder aus vergangenen Zeiten usw. finden hier Platz...

Das Moped in der Landzustellung

Beitragvon postjungbote am 06.09.2012, 20:53

Das Moped in der Landzustellung

Im Dezemberheft (Nr. 6/1957) des „Archiv für das Post- und Fernmeldewesen“ erschien ein vom Präsidenten der Oberpostdirektion Regensburg Dr. Geyer verfasster 72seitiger (!) Artikel mit dem Titel „Die Postversorgung auf dem Lande“. Hier geht es um Möglichkeiten und Grenzen im Landpostdienst, natürlich auch über die Motorisierung des Landzustellers. Das Zustellpersonal sollte günstigere Arbeitsbedingungen erhalten, denn die Marschleistung des Landzustellers von 20 km und mehr, mit einem Gepäck von 15 bis 20 kg, dazu Kälte und Schnee im Winter, im Sommer oft unerträgliche Hitze bedurfte Verbesserung und Erleichterung. Aufgrund der großen Menge an Material soll hier nur eine kurze Zusammenfassung folgen.

Das Fahrrad ist in der Landzustellung schon immer verwendet worden, es ist das wirtschaftlichste Beschleunigungsmittel bei günstigen Gelände- und Witterungsverhältnissen. Und doch sind bis zum Jahre 1931 nur 14,3 % der Marschleistung mit Fahrrädern bewältigt worden, der Anteil hatte sich bis in die fünfziger Jahre kaum erhöht.

Die Versuche auf Mopeds mit der Erwartung als billiges, wendiges Fahrzeug für die Landzustellung hatten sich nicht ganz bestätigt. Es ist wohl leicht zu handhaben, führerscheinfrei, es beschleunigte die Zustellung, verbesserte die Arbeitsbedingungen und war billig im Betrieb. Doch das einspurige Fahrzeug konnte nicht bei jeder Witterung, bei Schnee, Glätte und bei aufgeweichten Wegen eingesetzt werden. Die Fahrzeuge sind nicht so stabil, dass sie allen Anforderungen im bergigen Gelände und auf schlechten Wegen gewachsen sind.

„Reifen- Motor- und Kettenschäden sind sehr häufig. Die leichten Mopeds zeigen bei größerer Belastung Schwingungen im Rahmen, die die Fahrsicherheit wesentlich herabsetzen. Im Landzustelldienst müssen z.T. Fahrstrecken auf Feld- und Wiesenwegen zurückgelegt werden. Durch die zunehmende Motorisierung der Landwirtschaft sind aber diese Wege derart zerfurcht und aufgerissen, dass sie bei schlechter Witterung kaum noch zu befahren sind und, wenn überhaupt noch, dann nur mit der 1. Schaltstufe. Die Motoren müssen daher oftmals bis zur Zerreißprobe beansprucht werden. Bei schlechtem Wetter kommt es vor, dass die Räder im Morast stecken bleiben, wobei Kettenglieder reißen und Stürze keine Seltenheit sind. (...)
Die Mopeds verlangen auch eine sorgfältige Pflege und eine dauernde Überwachung, damit sie stets betriebsbereit sind. (...) Die tägliche Pflege erstreckt sich Abschmieren, Auftanken, Nachspannen der Ketten, Nachstellen der Bremsen, häufiges Auswechseln bzw. Einlöten der Seilzüge für Kupplung, Bremse und Schaltung.“

Das Postamt Pfarrkirchen hatte im Jahre 1955 zwei Versuche mit Mopeds durchgeführt in sieben Landzustellbezirken, die bisher ausschließlich zu Fuß begangen worden sind. Mit Fahrrad waren die Bezirke wegen der vielen Steigungen nicht befahrbar.

„Die Fahrzeuge werden im Landzustelldienst außerordentlich beansprucht und sind nicht robust genug, die abgeforderte Leistung auf die Dauer herzugeben. Dies zeigt uns eine Auswahl der Schäden aus den Pflegekarten.
14.10. Schutzblechstütze ausgebogen und neu befestigt
21.10. rechte Gabelfeder erneuert
09.11. Motor neu befestigt
13.12. Kette verkürzt, Schlußlichtkabel gelötet
16.12. Vergaser gereinigt, Zündung eingestellt
21.12. Schaltung und Gasseilzug erneuert, Felge ausgebogen
23.12. Kupplungsseil eingelötet, Auspuff und Kette gereinigt
28.12. Schaltungsseil erneuert, beide Bremsen nachgestellt
31.12. Kupplungsseil erneuert, Speichen nachgezogen
Mit der Länge des Einsatzes häuften sich diese Schäden. Um die ständige Betriebsbereitschaft zu gewährleisten, muß ein Fahrzeug immer in Reperatur sein. Für 4 Einsatzräder ist 1 Reserverad erforderlich. Nach 2 Monaten Einsatzzeit mussten bereits die Ketten mit den Zahnrädern erneuert werden. Auch die neue Kette musste nach 6 Wochen um 2 Glieder verkürzt werden. Zu schwach ist auch die Sattelaufhängung. Unzureichend ist der Antrieb des Kilometerzählers, der nach kurzer Betriebszeit ausfiel. Im Betrieb ist das Fahrzeug sehr wirtschaftlich. Der Kraftstoffverbrauch liegt zwischen 2,4 bis 2,8 l je 100 km. Die Lebensdauer der Mopeds beträgt 1 ½ - 2 Jahre, nach einer Gesamtleistung von 19000 – 20000 km sind sie nicht mehr einsatzfähig. Es muß allerdings berücksichtigt werden, dass im Bezirk Pfarrkirchen das Einsatzgelände besonders schwierig ist. In flachem Gelände, bei guten Straßen und befestigten Wegen mögen die Erfahrungen günstiger ausfallen. (...) Der Kostenrechnung ist eine Betriebszeit von 9 Monaten zugrunde gelegt. Der ganzjährige Einsatz ist in unseren Gegenden nicht möglich.“

Bild

Bild 1: Mopedfahrer mit Schutzkleidung

Bild

Bild 2: Motorisierte Landzusteller vor der Abfahrt

Bild

Bild 3: Moped im Landzustelldienst


Auf das Für und Wider zur Schutzkleidung, die Versuche mit Moped und Kfz im Vergleich und die ausgiebigen Auswertungstabellen kann wohl verzichtet werden. Sonst wäre der Beitrag zu umfangreich geworden.
Für die Qualität der Bilder ein Sorry, es ist dem Alter der Aufnahmen sowie dem mittlerweile gelblichen Papier geschuldet.

Quelle: Dr. Geyer: Die Postversorgung auf dem Lande, in: Archiv für das Post- und Fernmeldewesen, 8. Jg., Dezember 1957

Gruß Postjungbote
Zuletzt geändert von postjungbote am 09.09.2012, 17:29, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
postjungbote
Postbote
Postbote
 
Beiträge: 70
Registriert: 31.08.2008, 16:44
Wohnort: Grafschaft Moers

Re: Das Moped in der Landzustellung

Beitragvon firlefranz am 08.09.2012, 22:05

Wie immer erstklassig recherchiert. Ich danke dir!!!

Gruß
Cornelius
Benutzeravatar
firlefranz
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 391
Registriert: 13.12.2006, 13:29
Wohnort: Halle an der Saale

Re: Das Moped in der Landzustellung

Beitragvon Heiko am 09.09.2012, 12:37

Hallo Postjungbote,
das war wieder sehr interessant.
Gruß
Heiko
P.S. Weiß jemand um was für Mopeds es sich auf den Bildern handelt?
Benutzeravatar
Heiko
Bezirksamtleiter
Bezirksamtleiter
 
Beiträge: 195
Registriert: 26.08.2008, 19:07
Wohnort: Herzogtum Coburg

Re: Das Moped in der Landzustellung

Beitragvon firlefranz am 10.09.2012, 22:03

Die Bilder zeigen alle samt NSU Quicklys. Lediglich auf dem Mittleren ist hinten eine Zündapp Combinette 404 abgebildet.

Gruß
Cornelius
Benutzeravatar
firlefranz
Administrator
Administrator
 
Beiträge: 391
Registriert: 13.12.2006, 13:29
Wohnort: Halle an der Saale

Re: Das Moped in der Landzustellung

Beitragvon Heiko am 20.09.2012, 18:29

Danke Cornelius,
bin da nicht so gut drin, um was zu erkennen.
Gruß
Heiko
Benutzeravatar
Heiko
Bezirksamtleiter
Bezirksamtleiter
 
Beiträge: 195
Registriert: 26.08.2008, 19:07
Wohnort: Herzogtum Coburg


Zurück zu Historisches

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 0 Gäste

cron